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In Deutschland gab es nie eine zentrale Kulturmetropole, die vergleichbar wäre mit Paris für Frankreich oder London für Großbritannien. In Abwesenheit eines Nationalstaates war es vor allem die Sprache, die über Jahrhunderte alle Deutsche verband; der Begriff von Deutschland als einer Sprachnation reflektiert diese Tatsache. Auch wenn die Sprache einerseits über Jahrhunderte das einigende Band zwischen den Deutschen war, so ist das Land andererseits noch heute reich an regionalen Mundarten. An Dialekt und Aussprache lässt sich bei den meisten Bürgern erkennen, aus welcher Gegend sie stammen, und regionale kulturelle Traditionen und Bräuche, wie der Karneval im Rheinland, haben eine starke Ausprägung.
Heute garantiert der föderale Bundesstaat, dass die über Jahrhunderte gewachsene kulturelle Vielfalt Deutschlands weiter besteht. Die Bundesrepublik ist ein Land mit vielen kulturellen Zentren, das keine abgelegene kulturelle Provinz kennt. Über einhundert Opern- und Musiktheater, mehr als dreihundert Theater in Groß- und Kleinstädten sowie zahlreiche Orchester sorgen für ein umfangreiches Kulturangebot. Städte und Gemeinden sind die tragenden Säulen des Kulturföderalismus. Das bedeutet allerdings auch, dass die Finanzierung von Theatern und Orchestern wesentlich von den Kommunen getragen wird, die einen Anteil von 63% an allen öffentlichen Ausgaben in diesem Bereich tragen.
Im Rahmen des Föderalismus besitzen die Bundesländer, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Kulturhoheit, d.h. die Gesetzgebung in kulturellen Angelegenheiten ist Sache der Länder. Diese Hoheit erstreckt sich auch auf den gesamten Bildungsbereich vom Kindergarten bis zur Universität, den jedes Bundesland selbständig gestaltet. Ein Beispiel für schulpolitische Entscheidungen von Bundesländern bietet das Land Bayern, das Kinder von Einwanderern nur noch bei ausreichenden Deutschkenntnissen in die Grundschule aufnehmen will. Falls die ausländischen Kinder bei dem Sprachtest ein Jahr vor der Einschulung nicht ausreichend Deutsch können, ist eine 160 Stunden umfassende Sprachförderung vorgesehen. Kinder, die auch nach dem Kurs nicht ausreichend Deutsch können, werden in Zukunft nicht mehr in die Grundschule, sondern in Förderschulen eingeschult. Außerdem droht Eltern, die ihre Kinder nicht zum Sprachtest oder zur Sprachförderung bringen, ein Bußgeld.
Wichtige und notwendige Koordinierungsaufgaben zwischen den Bundesländern im Bildungsbereich liegen bei der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Bundesländer, die z.B. die gegenseitige Anerkennung von Schul- und Hochschulabschlüssen regelt.
Der historisch gewachsene Dezentralismus Deutschlands zeigt sich auch an der Verteilung zahlreicher anderer kultureller Institutionen und Aktivitäten. Die Deutsche Bibliothek hat Standorte in Frankfurt am Main, Leipzig und Berlin. Die Akademien der Wissenschaften haben ihren Sitz in Berlin und acht weiteren Städten von Düsseldorf bis München. Von den über 3000 Museen befinden sich die bedeutendsten in Berlin, Hildesheim, München, Nürnberg, Köln und Stuttgart.
Wie im kulturellen Leben so spielt auch in der Medienlandschaft Deutschlands die dezentrale Struktur eine wichtige Rolle. In der Zeitungslandschaft dominieren die lokale und regionale Presse mit werktäglich 330 verschiedene Zeitungen und einer Auflage von 16 Millionen, während überregionale Zeitungen eine Auflage von 5 Millionen Exemplaren pro Tag haben. Im Bereich Radio und Fernsehen gibt es im öffentlich-rechtlichen Bereich neun Sender, die nach Bundesländern gegliedert sind (ARD), sowie das nicht regionalisierte ZDF. Daneben bieten eine Reihe privater Fernsehanbieter und Radiostationen ihre Programme an.
1. What historical factor was responsible for the decentralisation of the arts in Germany?
2. Which administrative level shoulders the main responsibility for Germany's cultural federalism?
3. In what ways does Bavaria promote the integration of the children of migrants?
4. Is the re-establishment of Berlin as the capital likely to change the cultural landscape of Germany as a whole?
5.In what way do the media reflect decentralism?